Finde den Fehler

Fragt man ein Kind, ob es gerne ein technisches Gerät bekommen würde, was seine Hausaufgaben erledigt oder sein Zimmer aufräumt wäre die Antwort wohl eindeutig.

Fragt man einen deutschen Arbeitnehmer, ob er gerne ein Gerät bekommen würde, welches seine Arbeit erleichtert oder ersetzt, so ist es die Antwort ebenso eindeutlich, fällt aber anders aus. Wir Erwachsene haben Angst unsere Arbeit zu verlieren. Obwohl? Hat wirklich die durchschnittliche Putzfrau Angst nicht mehr putzen zu dürfen? Oder der Logistiker Angst in Zukunft keine Pakete mehr durch die Gegend tragen zu dürfen? Offensichtlich ist es nicht die Angst die Arbeit zu verlieren, sondern die Angst kein Geld mehr zu bekommen.

Das Geld ist aber noch da. Die Maschine erarbeitet es. Sie arbeitet sogar deutlich mehr, ist schneller, fehlerfreier, nie krank und völlig ohne Urlaubsansprüche. Man könnte der Arbeiten sagen sie können sich bei vollem Gehalt, Kaffee und Keksen in den Pausenraum setzen und trotzdem würde der Gewinn der Unternehmen steigen. Gelegentlich könnte auch mal jemand die Maschine putzen.

Stellen sie sich das mal vor! Und starten sie den Selbstversuch. Einfach mal eine Kaffepause einlegen, wenn der Kopierer im Büro für sie kopiert oder der Computer für sie rechnet. Wie lange hätten sie gebraucht alle Seiten abzuschreiben? Eine Woche? Und ihr Kopierer braucht nur 5 Sekunden? Na, warum dann nicht die freie Woche genießen?

Wie jetzt? Geht nicht? Der Wettbewerbsdruck? Und überhaupt, so viel führe heute ja keiner mehr bezahlen wie das Endprodukt dann kosten würde!

Aber was ist eigentlich der Wert einer Sache? Dass Geld ein schlechter Barometer ist, hat die Geschichte gezeigt. Man denke nur an die große Inflation. Man könnte versuchen den Wert festzustellen, indem man die Materialien und die Arbeitszeit auspreist. Ganz folgerichtig müsste der Wert eines Gebäudes also sinken, je kürzer die Arbeitszeit der Ingenieure ist. Wer also das Glück hat monatelang beim Bau zuzusehen, darf auch gerne mehr zahlen. Wer das Haus im Handumdrehen bezugsfertig hat, zahlt natürlich weniger. Ist doch ganz klar, oder? Sieht man doch schon bei der Elbphilharmonie und beim Berliner Flughafen.

Wie jetzt? Ihr Turbohäuschen war teuer? Dann ergibt sich der Wert vielleicht doch anders? Der Wert eines jeden Dings wird bestimmt durch den Nutzen, den es für den Käufer bringt oder zu bringen scheint. So birgt eine Brücke die über das Wasser zwei Länder verbindet vielen Menschen etwas und ist dementsprechend wertvoll. Eine Brücke auf der Grünen Wiese hat vermutlich kaum einen Wert, egal wie viel edler Stahl in ihr verarbeitet ist. Wird sie als Kunstwerk entdeckt, kann der Wert aber plötzlich ins unermessliche steigen.

Wenn eine Brücke also heute den selben Nutzen für den Investor hat wie vor 100 Jahren, dann ist sie doch auch noch genau so viel wert, oder nicht? Und wenn sie noch genauso viel Wert ist, dann kann man theoretisch auch noch genauso lange dem Arbeiter seinen Lohn bezahlen, wie es damals möglich war. Und wenn man das könnte, warum wirbeln wir dann hektisch durchs Büro, anstatt Kaffee zu trinken und dem Kopierer zuzusehen? Wettbewerb… Günstiger, schneller, besser soll es sein.

Aber wozu? Produkte die möglichst schnell kaputt gehen, weil der Konsumstrom nicht wackeln darf. Produkte die aus der Fabrik in den Müll wandern um dem Nachfolger Platz zu machen. Überhaupt Tonnen von Müll. Burnout, Armut. Man hat beinahe das Gefühl irgendwann trifft einen entweder das eine oder das andere.

Die Politik ist vorbereitetet – einmal alles auf Wachstum bitte.

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